Rückblick Planspiel - Experten - Werkstatt, 22.-24.07.2020, Tutzing

Die Digitalisierung hält Einzug in die Schulen, Universitäten sowie Tagungsstätten und verändert das Lehr- und Lernverhalten. Dies hat auch Auswirkungen auf die Durchführung von Planspielen. Ist es möglich, die analogen Planspiele online aufzubereiten? Welche Kompetenzen können neu vermittelt werden, welche gehen verloren? Welche Auswirkungen hat das auf Briefing und Debriefing? Brauchen wir neue Konzepte? Welche Anforderungen stellt das an die Spielleitung?

Zur Diskussion dieser Fragen lud die Akademie für Politische Bildung in Kooperation mit der SAGSAGA Planspielexpert*innen vom 22. – 24. Juli 2020 nach Tutzing ein - natürlich unter Beachtung der strengen Corona-Hygienemaßnahmen. Nach der Begrüßung und einem Einstieg ins Thema wurde intensiv in drei Workshops an folgenden Themenkomplexen gearbeitet:

  • Wirtschaftliche Prozesse und Globalisierung im Planspiel: Claudia Schmitz, Planspielentwicklerin, Cenandu, Köln und Detlef Dechant – Plan-Spiele-Simulationen
    Die Teilnehmenden erarbeiteten zu verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Szenarien Rollenspiele, die in viele Planspiele integrierbar sind. Es ging zum Beispiel um das Szenario: Das Dorfswirtshaus muß wegen einer Covid 19-Maßnahme schließen. Wie geht es weiter? Worauf wirkt sich das im Wirtshaus und in der Gemeinde aus? Was würde dies für den Ort bedeuten? Bürgermeister, Bankdirektor und Tourismusmanager sind auch dabei. Denk größer - politische Maßnahmen, die Einfluss auf alle haben ... Unternehmen, Bürger, Regionen .... komplexe Systeme. Im Rollenspiel integriert sind Ereigniskarten, aber auch ein Businessplan fürs Wirtshaus. Das Team möchte nun die Ideen zu einem einsatzbereiten Spiel weiterentwickeln.
  • Planspiele im digitalen Raum: Birgit Zürn, Zentrum für Managementsimulation (ZMS), DHBW Stuttgart und Daniel Bartschat, Playful Insights Fellbach
    Im zweiten Workshop wurde erlebt, wie man Planspiele im digitalen Raum anleitet und durchführt: Welche Techniken benötigt man, wie kann man das Centering / Onboarding im digitalen Raum hinbekommen? Welche Briefing- und Debriefing-Möglichkeiten gibt es? Über interaktive Whiteboards, Online-Minispiele und World-Cafès im digitalen Raum erfuhren die neun Teilnehmenden interaktiv, wie Planspiele remote funktionieren. Und gespielt wurde auch: Zwei Tools zu BWL und Change Management konnten konkret ausprobiert werden. Dazu verteilten sich die Teilnehmenden im ganzen Haus und von außen waren noch sieben weitere Planspielende dabei.
  • Mobilität und Verkehr als Thema digitaler Planspiele: Eric Treske; Planspielentwickler, intrestik | weiter mit spielen, München und Prof. Dr. Stefan Rappenglück, Hochschule München. Die amerikanischen Kolleginnen und Kollegen setzen Planspiele seit den fünfziger Jahren mit der Themenstellung Infrastruktur ein (beispielsweise Conrail, CLUG oder Metropolis). Aktuell setzen die Niederlande in Europa am häufigsten auf spielerische Planungsverfahren wie beim Ausbau des Rotterdamer Hafens (Projekt Maasvlakte 2) oder der Entwicklung der Gemeinde Oosterworld. In diesem Workshop lag der Fokus auf Planspielen zum Themenbereich Mobilität, an der Grenze zwischen politischer Bildung und Öffentlichkeitsbeteiligung. Es wurden analoge Planspiele angespielt und ausgewertet und ihre Grundframes analysiert. Am Donnerstagnachmittag passten wir die Elemente eines haptischen Quartiersspiels zur Verkehrswende für den Einsatz im (aktuellen) digitalen Umfeld an.

Am Ende der Tagung stand die Diskussion über die neuen Möglichkeiten und Einschränkungen digitaler Entwicklungen. Es waren drei intensive und spannende Tage, vielen Dank dem Team der Akademie und den Organisatoren Detlef Dechant und Michael Schröder!

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