10 Impulse für eine gelungene Planspielleitung

Aktuell arbeitet der Verband an Qualitätsstandards für erfolgreiche Planspielleitung; im Oktober 2017 findet dazu ein zweitägiger Workshop statt. Die folgenden 10 Impulse entstanden bei einer Tagung von Vorstand und Fachbeirat im April 2016. Wir freuen uns über Feedback für den weiteren Qualitätsprozess - nutzen Sie dazu beispielsweise die Kommentarmöglichkeit auf unserer Facebook-Seite.

1. Setzen Sie sich mit dem Planspiel und dem inhaltlichen Themenfeld intensiv auseinander.

Für einen professionellen Planspieleinsatz ist es notwendig, dass Sie die zugrunde liegenden Mechanismen und Wirkungszusammenhänge verstehen und über ausreichend Fachkenntnis zum Thema des eingesetzten Planspiels verfügen.

2. Bereiten Sie das Seminar und die Lernumgebung gut vor.

Setzen Sie sich mit dem Hintergrund der Teilnehmenden und deren Bezug zur Zielsetzung und den Themen des Einsatzes auseinander. Nutzen Sie unterstützend den Raum, die Materialien, den Zeitplan, die Gruppenzusammensetzungen, etc., um bestmögliche Rahmenbedingungen für den Planspieleinsatz zu gestalten.

3. Geben Sie Struktur und lassen Sie Raum für Flexibilität.

Explizieren Sie das Ziel des Planspieleinsatzes und den Ablauf des Seminars, um den Teilnehmenden Orientierung zu geben. Lassen Sie sich dennoch auch auf spontane Themen und akute Bedürfnisse der Lernenden ein. Nehmen Sie die Stimmung auf und begleiten Sie die Gruppe in ihrem Prozess.

4. Verstehen Sie sich als Lernbegleiter und nicht als Lehrer.

Als Planspielleitung zeichnen Sie sich durch „aktive Inaktivität“ aus, d. h. Sie beobachten das Geschehen, reagieren flexibel und finden den richtigen Grad der Einflussnahme. Nehmen Sie sich selbst zurück, intervenieren Sie fragend und geben Sie nur bei Bedarf kurze inhaltliche Impulse.

5. Lassen Sie Fehler zu – sie sind nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Ein Planspiel bietet auch Raum für (vermeintlich) schlechte oder riskante Entscheidungen. Lassen Sie diese zu und liefern Sie keine fertigen Lösungen. Begleiten Sie vielmehr den Aufarbeitungs- und Reflexionsprozess.

6. Nehmen Sie die Teilnehmenden mit deren Wissen, Bedürfnissen und Erfahrungen ernst.

Jeder Teilnehmende hat eine eigene Persönlichkeit mit individuellen Bedürfnissen und Vorerfahrungen. Berücksichtigen Sie die Vielfalt der unterschiedlichen Sichtweisen der Teilnehmenden. Erarbeiten Sie mit diesen deren jeweilige Entwicklungsfelder und unterstützen Sie sie so individuell wie möglich im Lernprozess.

7. Planen Sie ausreichend Zeit für das Debriefing ein.

Ein Planspielseminar stellt eine besondere Lernumgebung dar. Der Planspieleinsatz erschöpft sich dabei nicht in der reinen Durchführung. Um nachhaltiges Lernen zu ermöglichen, müssen die Emotionen, Erlebnisse und Geschehnisse der jeweiligen Spielphasen aufgearbeitet werden. Planen Sie für das Debriefing ausreichend Zeit ein.

8. Unterstützen Sie die Teilnehmenden beim Transfer in deren Alltag.

Fördern Sie als Planspielleitung den Vergleich zwischen der Spielsituation und der Realität. Beispiele und Bezüge zur Praxis sind die Grundlage für den Transfer von Gelerntem in die Realität. Geben Sie den Teilnehmenden ausreichend Raum, um Konsequenzen für deren Alltag zu formulieren und zu konkretisieren.

9. Verstehen Sie Kritik am und Fragen zum (Spiel-) System als Lernchancen.

Teilnehmende können vieles selbst erklären, sie müssen lediglich dazu ermuntert werden. Sind dennoch Erläuterungen und Erklärungen notwendig, sollten sich diese auf die Realität, nicht auf das vorgegebene (Spiel-) System beziehen.

10. Reflektieren Sie Ihr eigenes Verhalten als Planspielleitung.

Jeder Planspieleinsatz verläuft anders, ebenso variiert Ihre Rolle als Planspielleitung. Nehmen Sie sich im Nachgang jeder Planspieldurchführung ausreichend Zeit, Ihre Erlebnisse (wenn möglich gemeinsam mit Kollegen) strukturiert aufzuarbeiten, Schlussfolgerungen für das nächste Mal zu ziehen und sich selbst weiterzuentwickeln.